Der Poetry Slammer Christian Ritter im Talk über Badewasser, Tinder und Faulheit

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Zuerst erschienen auf: www.mitvergnuegen.com | Datum: 12.12.2017 | gesponsert

Was zeichnet einen Lebemann aus? Diese und noch viele weitere Fragen haben wir dem Poetry Slammer Christian Ritter gestellt. In der Szene ist er ein Urgestein, es gibt keinen Poetry Slam im deutschsprachigen Raum, auf dem er noch nicht aufgetreten ist. Wer zu seinen Aufritten kommt, vergießt so manche Träne beim Lachen.

Leidenschaftliche Menschen, gepaart mit der nötigen Portion Selbstvertrauen, um stets das Beste aus jedem Moment zu machen – das ist die Grundlage, auf der Wrigley ihre „Time to Shine“-Kampagne baut. Dabei geht es um Menschen, bei denen der Beruf vielmehr eine Berufung ist, mit dem sie nicht nur sich selbst, sondern auch anderen ein Strahlen aufs Gesicht zaubern. Denn zu einem selbstbewussten Auftreten gehört ja bekanntlich auch ein überzeugendes, strahlendes Lächeln. Und das hat der Optimist und Genussmensch Christian Ritter auf jeden Fall.

Moderieren, Texte vorlesen & Stand-up-Comedy

„Alles, was ich mache, ist ja bloß reden. Auf der Bühne tue ich nicht mehr als drei Sachen: Moderieren, Texte vorlesen und relativ frisch jetzt die Stand-up-Comedy. So unterschiedlich sind diese Dinge jetzt auch nicht.“ Christian Ritter sieht sich selbst nicht als Tausendsassa, so wie er einst von einer Zeitung bezeichnet wurde und es auch auf seiner Website geschrieben steht. „Ich würde zumindest noch ein Instrument beherrschen wollen, damit es ein bisschen wahrer wird“, ergänzt er schmunzelnd.

Alles was ich mache, ist ja bloß reden.

Wo trifft man sich am besten mit einem Lebemann? Natürlich in einer Bar!

Draußen dämmert es schon ein wenig, wir trinken bei schummrigem Licht in der Baumhaus Bar Mate und beobachten die vorbeiziehende U1, deren gelb wunderschön leuchtet in der blauen Stunde. Nebenbei reden wir ein bisschen über die Funktion Superzoom bei den Insta-Storys, die bei Christian einfach nicht funktionieren will und über sein Tinder-Profilbild. Also ganz normaler Alltagstalk zwischen zwei fremden Personen.

Ein Urgestein der Poetry Slam-Szene

Gleich zu Beginn hab ich ihm verraten, dass mir sein Name eigentlich so gar nichts sagt und ich fleißig Recherche betrieben habe, um jetzt beim Interview nicht ganz so dumm dazustehen. Die Poetry Slammer unter euch werden sich wahrscheinlich an den Kopf greifen und ihn heftig schütteln. „Na klar kennt man Christian Ritter!“, hör ich viele sagen. Und ja, das stimmt, in der Poetry Slam-Szene ist er ein Urgestein. Er war schon dabei, lange bevor Julia Engelmann mit ihrem Text 2014 der Slam-Szene einen Schub an Aufmerksamkeit bescherte. Fun Fact: Den legendären Slam, von dem das engelmannsche Viral-Video stammt, hat wer gewonnen? Christian Ritter. Es gibt keinen Poetry Slam im deutschsprachigen Raum, an dem er noch nicht teilgenommen hat. Und dabei war es nur ein Zufall, der ihn in dieses Milieu brachte.

Nach Bamberg wollte er eigentlich nie, doch der Studienplatz entschied und so kam es, dass er für sein Germanistik- und Journalistikstudium in die Studentenstadt zog. Mit einem Freund besuchte er dann irgendwann mal aus Langeweile und Jux einen der ältesten Poetry Slams, organisiert von der bekannten Nora Gomringer. „Ich fand die Beiträge dort überhaupt nicht gut und sagte im jugendlichen Hochmut zu meinem Freund, dass ich das auf alle Fälle viel besser könnte.“ Eine Wette um einen Kasten Bier folgte und tatsächlich gewann Christian auch seinen ersten Slam sofort. Danach nahm alles seinen Lauf.

Zu 95 Prozent ist alles vorbereitet und erprobt, was auf der Bühne passiert. Da wird nichts dem Zufall überlassen.

Mittlerweile steht er nicht nur als Poetry Slammer auf der Bühne, sondern veranstaltet Lesebühnen, schreibt Bücher und versucht sich seit Neuestem als Stand-up-Comedian. Er ist durch und durch ein Lebe- und Genussmensch, färbt sein Badewasser passend zum Cover des Buches, das er darin liest, dokumentiert diese völlig unnütze Bemühung auf seinem Instagram-Account, und ist ausnahmslos nachtaktiv. Was er auf keinen Fall sei, ist spontan. „Zu 95 Prozent ist alles vorbereitet und erprobt, was auf der Bühne passiert. Da wird nichts dem Zufall überlassen“, verrät er mir. Christian liebt Herausforderungen und ist ein Abenteurer, seine Eltern wussten am Anfang nicht so recht, was er da eigentlich tut. Erst als sie ihn bei dem ersten WDR Poetry Slam im Fernsehen sahen, hatten sie die Gewissheit, dass der Junge nicht ausnahmslos Quatsch betreibt.

Ein guter Tag beginnt mit Schlaf bis mittags und drei Tassen Kaffee. Meistens changiere ich zwischen ständiger Überarbeitung und Faulheit.

Seit dem letzen Jahr hat es ihn nun nach Berlin verschlagen, er liebt die Großstadtanonymität und das vielfältige Kulturangebot. Auf meine Frage, wie er sich denn so seine Zukunft vorstellt oder was seine Pläne sind, antwortete er sehr ehrlich: „Ich lebe eigentlich planlos, schon immer lasse ich die Dinge sich von selbst entwickeln. Es ergibt sich aber auch ständig etwas, man lernt ja auch ständig neue Leute kennen.“ Kurze Pause. „Ich lass‘ es mir halt einfach gut gehen, ein guter Tag beginnt mit Schlaf bis mittags und drei Tassen Kaffee. Meistens changiere ich zwischen ständiger Überarbeitung und Faulheit“, ergänzt er lachend weiter.

Faulheit ist aber tatsächlich ein Wort, das ich persönlich nicht mit Christian Ritter in Verbindung gebracht hätte. Über 50 Veranstaltungen arrangiert er pro Jahr und schreibt Texte en masse. Auch auf meine Frage, wie er sich denn fühlt, wenn mal ein Publikum nicht über seine Pointen lacht, kommt wieder der Optimist in ihm durch. „Ich nehme das nicht so persönlich, wenn die Leute nicht lachen. Der nächste Auftritt kommt ja schnell wieder und meist ist dies auch ein Berlin Phänomen. Also wenn ein Publikum mal nicht lacht, passiert das wenn, dann in Berlin!“

Wer jetzt neugierig geworden ist und Christian Ritter davon überzeugen möchte, dass Berlin doch auch laut und anständig lachen kann, der sollte unbedingt mal bei der Lesebühne vorbeischauen, die jeden dritten Mittwoch im Monat in der Baumhaus Bar stattfindet, und ihn vom Gegenteil überzeugen.