Josl_Österreich_Kerstin Musl

Österreichische Kasnudeln und Kaiserschmarrn im JOSL

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Food
Zuerst erschienen auf: www.mitvergnuegen.com | Datum: 31.07.2017

Das JOSL ist ein kleines Bistro, das Abends mit der abgehängten Decke und der indirekten Beleuchtung sicher auch als Restaurant durchgehen kann. Beim Betreten des Bistros werden wir gleich mit einem freundlichen „Griaß eich“ begrüßt und fühlen uns sofort wie in Omas Stube. Der Kärtner Florian trägt einen Hut und steckt mit seinem Lächeln an. Am 1. April 2017 wurde das JOSL eröffnet (kein Scherz!) und serviert seitdem leckere südalpenländische Spezialitäten. Die Kärntner Kasnudel ist der große Star auf der Speisekarte. Gekocht wird sie von dem Berliner Patrick, unterstützt wird er von seinem Vater, dem ehemaligen Chefkoch im KaDeWe. Florian serviert die Speisen.

Wir entscheiden uns für den Fensterplatz und machen es uns gemütlich. Das fällt hier eindeutig nicht schwer. Auf der Fensterbank zu meiner Rechten stehen Kerzen, Pflanzen und ein Spielstandzähler, der mich an lange „Schnapsen“-Spielabende in Österreich erinnert.

Wir bestellen uns einen Almdudler, den echten aus Österreich. Als Vorspeise gibt es einen „Falschen Schneck“. In einem kleinen Glas serviert, mit viel Petersilie als Deko, verstecken sich darunter kleine, feste Hühnermägen. Hört sich super ekelig an, schmeckt aber tatsächlich richtig lecker. Die würzige Marinade schmeichelt sich um das kleine feste Fleisch, dazu gibt es Schwarzbrot.

Die Zeit bis zur Hauptspeise verbringen wir damit, uns im JOSL umzusehen und ein bisschen mit Florian zu plaudern. Die Möbel sind ein Mix aus alter Wiener Kaffeehauskultur, bäuerlichem Stuben-Inventar und gemütlichem Hipster-Vintage. Das Stil-Durcheinander macht es im Josl so gemütlich. Der Tresen wurde selbst verfliest und soll Kachelofenromantik verbreiten, das Holz obendrauf wurde aus dem tiefsten Kärntner Wald nach Berlin importiert. Florian und Patrick haben ein Händchen für Details und das nicht nur bei der Einrichtung.

„Wie habt ihr euch kennengelernt?“, frage ich neugierig Florian und es kommt eine Antwort, die ich nie erwartet hätte: „Als kleine Jungs auf dem Hof meiner Eltern in Österreich bei Burg Hochosterwitz.“ Florians Eltern betrieben damals auf ihrem Thalhof, ehemals „Josl“, ein Gästehaus und Patricks Familie machte regelmäßig Urlaub bei ihnen.

Die Kasnudeln kommen! Die Nudelvariation im Josl ist für alle, die sich nicht entscheiden können. Auf einem Teller für zwei Personen sind drei verschiedene Gerichte angerichtet. Mit dabei ist die Kärntner Kasnudel an Salat, die Kärnter Fleischnudel mit G’selchtem auf Sauerkraut und der Südtiroler Schlutzkrapfen mit einer Spinat-Topfenfüllung auf Pilzrahmgemüse. Die Nudeln werden selbstgemacht und das schmeckt man auch. Jedes Gericht ist ein Gedicht und wir können uns am Ende gar nicht entscheiden, welche Nudel die Beste war.

Neben den leckeren Kärntner Kasnudeln gibt es unter anderem Backhendlsalat, Hirter Braugulasch oder Patricks fantastische Rostbraten Interpretation. Im JOSL treffen die Berliner und die Kärntner Küche aufeinander – ein gelungenes Experiment würd ich behaupten. Schnitzel gibt es natürlich auch, aber nur auf Vorbestellung!

Koch und Kärntner haben noch Großes vor mit ihrem Bistro. „Wir wollen Speck und Käse aus Österreich zum Verkauf anbieten, vielleicht auch Jausenteller servieren.“, teilt mir Florain euphorisch mit und seine Augen leuchten dabei. Steirisches Kürbiskernöl und Julius-Meindl-Kaffee kann man hier schon kaufen und das typische Hirter-Bier aus Kärnten gibt’s am Tresen zu trinken.

Zum Abschluss gibt’s noch karamellisierten (!) Kaiserschmarren mit Pflaumen und Marillen-Palatschinken mit Erdbeeren – Foodkoma vorprogrammiert. Die Süßspeise zergeht auf der Zunge wie nichts und ich bin gedanklich sofort in Omas Küche.

 Josl | Pestalozzistraße 70, 10627 Berlin |  Mehr Infos