Medellin, die Hauptstadt des ewigen Frühlings

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Colombia, South America, Travel
Medellin, Colombia

Hier gibt es nichts, was es nicht gibt: die einzige Metro des Landes, ganzjährige Frühlingsgefühle, Gondelfahrten über die Armenviertel, pompöse, aber leider hässliche Regierungsgebäude, Nutten & Raubkopienpornos vor jeder Kirche und viele schöne Plätze mit leider oft sehr traurigen Geschichten.

Medellin ist im Wandel, seit über 20 Jahren bemüht, die Stadt besser, schöner, sicherer zu machen. Galt die Stadt Anfang der 90er-Jahre noch als die „Mordhauptstadt der Welt“ (6500 Morde jährlich), wurde sie im März 2013 von City Bank und „Wall Street Journal“ zur „innovativsten Stadt der Welt“ gekürt und hat damit New York und Tel Aviv geschlagen.

Junge sitz unter dem Vogel von ‚Botero‘ unter dem am 10.06.1995 während eines Konzerts eine Bombe positioniert wurde. Bei dem Anschlag starben 22 Menschen.

Obdachlose, Drogenbarone, Prostituierte und Kleinkriminelle wurden von Plätzen weggelockt, indem man ihnen woanders Schlafmöglichkeiten geboten hat. Gratis Bildungungsmöglichkeiten gleich mit dazu. Dunkle, gefährliche Plätze gegen ‚Plaza de las Luces‘ (Platz des Lichtes) und Bibliotheken getauscht. Bildung gegen Armut und Verzweiflung. Licht gegen Dunkelheit.

Plaza de las Luces

 

Und es scheint zu funktionieren. Gehörten vor 20 Jahren Schüsse & Explosionen noch zum alltäglichen Stadtlärm, ist es jetzt deutlich stiller geworden in Medellin. Ausgenommen den Verkehr. Mittlerweile ist die Luftverschmutzung der Stadt ein weit wichtigeres Thema, als Bomben und Anschläge. Zur Erleichterung der Bewohner, der Paisas, wie sie sich nennen, zum anderen Glück für Reisende wie mich.

 

Normalerweise bin ich nicht so der Fan von so Gruppen die im Laufentenstil einem Guide mit Hut oder Schirm oder Fahne nachlaufen, aber in Kolumbien bin ich echt positiv überrascht davon.

Kolumbien hat soviel zum Erzählen, soviele Geschichten, traurig wie schön, soviele Geheimnisse, soviel Wissenswertes. Das kann einem kein Lonely Planet so nahe bringen wie die Locals vor Ort. Und dazu muss man eines wissen. Die Kolumbianer sind freundlich, sind durch und durch positiv, immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie sind sehr bemüht und motiviert, ihr Land, das leider zu aller Berechtigung mit viel Gewalt, Blut und Krieg in den Köpfen der Menschen verankert ist, anders darzustellen. Oder besser gesagt zu berichtigen, zu aktualisieren. Auf den neuesten Stand zu bringen. Von dieser Motivation profitiert man natürlich als Tourist.

 

Und einer davon ist Pablo von Medellin. Nein nicht der tote Drogenboss, sondern mein Tourguide von „The Real Citytour“. Pablo hat in Kolumbien studiert, in Ungarn gearbeitet, in Frankreich weiterstudiert und ist viel gereist in den letzen zehn Jahren. Er ist patriotisch, betrachtet aber sein Heimatland auch sehr nüchtern, neutral und ehrlich. Er versucht nichts zu beschönigen, sondern gibt uns die Möglichkeit, unsere eigene Meinung zu bilden und uns zu zeigen, was jetzt besser ist als damals. Über 4 Stunden dauert die Tour. Danach rauchen die Köpfe. Soviele Eindrücke und soviele Geschichten gehören erstmal verarbeitet.

Parque Arvi

Raus aus dem Stadtlärm, rein in die Gondel, hoch hinaus und tief hinein in den Dschungel des Parque Arvi. So oder so ähnlich hab ich mir das vorgestellt. Stadtlärm, Gondel, hoch hinaus traf alles zu. Der Park liegt auf 2500m, 1000 Höhenmeter höher als Medellin. Enttäuscht wurde ich von tief hinein in den Dschungel. Dieses Erlebnis stellte sich leider nicht ein. Es ist zwar ein riesiger Park, aber leider nicht wirklich gut erschlossen, bzw organisiert. Man darf nichts alleine machen, es gibt keine Schilder auf den Routen, Guide Angebote wurden mir jetzt aber auch nicht vor die Füße gelegt. Die einzige Möglichkeit die sich bietet, alleine auf Entdeckungsreise zu gehen ist die Picknickarea. Sehr aufregend. Das wirklich aufregende war der Weg dorthin. Entlang einer Hauptstraße ohne Fußgängerzone, mit viel Busverkehr. Kurz vorm Herzstillstand. Mehrmals. Nach diesen ‚Nahtoderlebnissen‘, konnte man sich immerhin mit Local Food stärken. Da es kurz vor dem Wandern heftig geregnet hat, ist der Fluss ziemlich schäbig gelb und braun. Schaut zwar irgendwie cool aus auf den Bildern, sollte aber normalerweise klarer sein 😉

Das was man sich wirklich nicht entgehen sollte, ist die Fahrt mit der Gondel. Egal ob man zum Park will oder nicht, aber die erste von zwei Gondelfahrten ist unabdingbar. Man erhält einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und wird sich deren Dimensionen erst so richtig bewusst. Auch die in den Hang gebauten Häuser im Armenviertel bringen so manch geheimen Stalker in sich zum Vorschein.

Cerro Nutibara (Nutiara Hill)

Und noch was nettes für einen romantischen Abend. Oder so in etwa. Cerro Nutibara (Nutiara Hill) ist 80m hoch und sehr beliebt für das tägliche Schauspiel des Sonnenuntergangs. Sehr viele Einheimische stehen knutschen und umarmend an der Reling der Aussichtsplattform und genießen das Naturschauspiel um sich herum. Man kann hochlaufen oder sich ein Taxi nehmen.

Medellin ist eine wunderschöne Stadt, in der man sich frei bewegen kann. Die Einkaufsstraßen im Zentrum sind zwar überfüllt mit Menschen, aber es drängt sich einem keiner auf und man fühlt sich herzlich willkommen. Das milde Klima ist perfekt für Sightseeing, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Zu entdecken gibt es viel, es wird einem nicht langweilig. Versprochen.