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Primavera Sound Barcelona 2019 – The New Normal

Wie schon im Vorbericht angekündigt, glänzte das Primavera Sound in einem neuen Federkleid. 53% Frauenanteil im Line Up ist schon eine tolle Ansage gegen die männerdominierenden Festivals und auch sonst ist das Festival um vieles bunter geworden. Es fühlte sich fast so an als ein Warm up für den darauffolgenden Pride Monat. Viele bunte Kleider, küssende gleichgeschlechtige Pärchen – einfach eine tolle, freie Atmosphäre.

Von den auftretenden Künstlern kannte ich anfangs nur einen kleinen Bruchteil, ich hab probiert mich ein wenig einzuhören und vor Ort die Highlights zu fotografieren. Leider gingen mir auch ein paar Künstler durch die Lappen, da vieles was ich sehen wollte gleichzeitig spielte oder der Weg vom Auditorium, eine Bühne die neu dazugekommen ist, zurück zum Gelände nicht wirklich effizient integriert wurde. So musste ich trotz Fotopass unzählige Kontrollen über mich ergehen lassen, obwohl man sich innerhalb des Geländes bewegte. So versäumte ich einige Einlässe zum Fotograben. Mein absolutes Highlight des diesjährigen Primavera Sound Areals war der ausgerollte Kunstrasen zwischen den zwei Mainstages. So konnte man den ganzen Tag gemütlich am Boden sitzen und liegen ohne sich im Stadtdreck zu wälzen.

PRIMAVERA SOUND BARCELONA

Day ONE

SOCCER MOMMY

Für mich hat Soccer Mommy (US) das diesjährige Primavera Sound eröffnet. Die New Yorkerin spielt leicht traurige, aber trotzdem sehr verdauliche Folk Songs und regt mit ihren 20 Jahren zum Nachdenken an. Perfekt als Einstig für die 3 Tage Musik Marathon.

TOMBERLIN

Weiter ging es mit Tomberlin. Ebenfalls Folksmusik aus den United States aber die Lieder doch etwas melancholischer und schwerer als bei Soccer Mommy zuvor. Die Stimme engelsgleich, singt Sara Beth Tomberlin viel über Religion und Weltanschauung. Etwas schwer für einen wunderschönen Nachmittag am Meer, aber perfekt für kalte Regentage zuhause.

ALICE PHOEBE LOU

Die Sängerin aus Kapstadt hatte an diesem Tage gleich zwei Auftritte, einer davon fand auf dieser wundervollen und sehr intimen Meerbühne statt. Ich schaffte es gar nicht ganz vorne, die Leute waren dicht gedrängt und lauschten sehr gebannt dem Konzert und ihrer sanften und zarten Stimme. Die Wahlberlinerin liebt es im Freien zu spielen und so tut sie das neben den offiziellen Konzerten auch nach wie vor an bestimmten Tagen und Orten in Berlin.

BIG THIEF

Und weiter geht es im Folk Kurs. Big Thief, die Band aus Brooklyn, New York hat sich dem Dream Folk Rock verschrieben. Die Stimme der Sängerin hat neben ihrer Zahnlücke, einen besonderen Wiedererkennungswert. Die Bühne war geschmückt mit unzähligen Wiesenblumen und so konnte man das Konzert sehr gechillt liegend auf dem Kunstrasen verfolgen.

APPARAT

Eins meiner Highlights vom Primavera Sound 2019. Sascha Ring aka Apparat, der eigentlich ein deutscher Techno und Elektronik Dj ist, trat im Auditorium mit Live Band auf. Es hätte keine bessere Bühne für dieses musikalisches Wunderwerk geben können. Die Akustik verstärkte seine Post Rock angehauchten Songs mit der nötigen Dramatik. Eine Stunde lang war es außer der Musik total still im Saal, keiner bewegte sich, keiner verließ vor dem Ende die Show. Man wurde in Apparats Sog hineingezogen und war mit der Band total eins in einem Wald voller Harmonie und Liebe.

NAS

Ich muss ja ehrlicherweise zugeben, dass ich kein großer Kenner von Rap bin. Doch der Name Nas ließ etwas in meinen Ohren klingeln. Durch die Neugier getrieben schaute ich mir seine Show an und muss zugeben: ich war sehr begeistert. Nas sieht sich ja selbst als modernen Poeten, ich muss sagen, er ist vielmehr als bloß das. Er war durch und durch Entertainer auf der Bühne, hat das Publikum so richtig angeheizt und zum Tanzen angefeuert. Mit seinen Medleys brachte er schon ziemlich früh die Meute zum Kochen und die freigesetzte Energie blieb bis zum Ende des Konzertes auf diesem High Level.

INTERPOL

Seit über zwanzig Jahren besteht die Indie-Rock-Post-Punk-Band aus New York City, die ich nicht unbedingt mit Joy Division verglichen werden will. Vielmehr lieben und suhlen sie sich in ihrer mystischen Selbstdarstellung, die mit viel Nebel und Lichteffekten kombiniert wird. Die Musik ist gut, aber da jegliche Konversation mit dem Publikum fehlte, war die Live Performance dann doch eher eintönig und nach ein paar Liedern hatte man eigentlich so gut wie alles gesehen.

Day TWO

POND

Der zweite Festival Tag begann sehr verrückt mit Pond. Anfangs hat mich die Gesichtakkrobatik des Sängers sehr verwirrt, aber zum Ende hin fand ich ihn und seine Aura einfach nur mehr außergewöhnlich und prägend. Die psychedelischen Rockongs waren sehr mitreißend und motivierend. Man merkt dann hier doch die Blutsverwandtschaft mit Tame Impala. Denn 3 von 5 Mitglieder (Kevin Parker, Jay Watson und Nick Allbrook) gehören zu der australischen Band, die später noch Headliner am Festival waren.

KURT VILE

Spielte er noch bis 2008 bei The War of Drugs, die ich letztes Jahr auf dem Primavera Sound fotografierte, macht er seit dem Ausstieg sehr erfolgreich sein eigenes Ding. Kommt sein Gesicht aufgrund seiner prächtigen Haarpracht nur selten zum Vorschein, glänzt seine Stimme umso mehr im Rampenlicht. Seine Indie-Rock Stimme mit Folk- und Lo-Fi-Einflüssen wird zudem oft mit Bruce Springsteen und Neil Young verglichen. Ein Kompliment, welches man sehr gerne annimmt.

MILEY CYRUS

Miley Cyrus doesn’t give a f*ck. Sie ist eine einfach eine Bombe die jederzeit hochgehen kann und die es versteht zu provozieren, gleichzeitig aber auch zu unterhalten weiß und einen in ihren Miley bann zieht. Die Show war wie ein einziger Atemzug, man kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Und obwohl ich kein Hardcore Miley Fan bin, konnte ich am Ende doch fast jedes Lied textsicher mitsingen.

TAME IMPALA

Tame Impala ist eine außergewöhnliche Liveband, die einen bunten Konfettiregen innerlich sowie äußerlich nach dem anderen entfachen. Sie machen den Psychedelic Rock wieder Salon fähig. Hinter den Songs steht Kevin Parker, eine kreative, unermüdliche Seele, welche unter anderem auch Kollaborationen mit Künstlern wie Mark Ronson, SZA, Lady Gaga, Travis Scott, Rihanna, Mick Jagger, Miguel,  A$AP, Rocky, Theophilus London and ZHU. Es war ein Farbenrausch der Extraklasse und ich sammle immer noch einzelne Konfettis aus meinen Sachen raus.

ROBYN

Robyn is back! Seit ihrem letzten Album 2010 hat sich viel verändert in Robyns Leben und da sie nun bereit ist für einen Neustart, kommt sie mit einem  vielfach wärmeren und sinnlicheren Album um die Ecke als ihr Vorgängeralbum. Der Auftritt war sehr emotional, für die Sängerin sowie für das Publikum. Ein besseres Comeback kann es wohl nicht geben als auf dem Primavera Sounds in Barcelona.

Day THREE

NATHY PELUSO

Die 24 jährige Argentinierin kam in einem strahlend roten Flamenco Kleid und übertraf alle Vorstellungen und Erwartungen. So ungern wie sie sich in Schubladen stecken lässt so breitgefächert ist auch ihre Musikangebot. Von Soul, Jazz, Rap, Salsa und Swing kann alles passieren bei Naht Peluso. Ein energiegeladener Einstieg am dritten Festivaltag.

FRANK CARTER & The Rattlesnakes

Würde es einen Preis geben für das verrückteste, wildeste, lauteste und unberechenbarste Konzert beim Primavera Sound dann würde Frank Carter diesen haushoch gewinnen. Das Konzert war genau das. Gleich am Anfang tauchte der Sänger in der Menschenmasse unter und sang seine Songs mitten unter seinen Fans. Das Hemd war ziemlich schnell offen, sein tätowierter Körper blitze in voller Pracht. Er grinste bis über beide Ohren und das Publikum pogte um die Wette.

TIM HECKER & Konoyo Ensemble

Der Kanadier Tim Hecker spielte mit seinem Konoyo Ensemble ziemlich abgespacten japanischen Ambient Sound. Das ganze fand im Auditorium statt und ich glaub ich war einfach im falschen Mood und zu sehr aufgekratzt von der Vorband für diese sehr mediative Art von Musik.

ROSALIA

Das Beste kommt zum Schluss und in meinem Fall war es für mich Rosalia. Da mein Flug leider zu früh am Morgen war, war diese mein letztes Konzert welches ich aber in vollen Zügen genossen habe. Ich liebe ja die spanische Sprache und noch viel mehr spanische Musik. Rosalia ist der aktuelle Superstar in Spanien und hat man diese Powerfrau einmal live gesehen, fragt man sich auch nicht mehr warum. Sie verbindet traditionellen Flamenco mit Popmusik und singt über rohe Gefühle und brutale Emotionen. Überraschenderweise kam auch James Blake kurz für ein Duett auf die Bühne. Ein gelungener Abschluss würd ich fast meinen.